Schloss Kropsburg

Die Kropsburg im Wandel der Zeiten

Am Rande der oberen Haardt, auf einem anmutigen Hügel, umgrünt von hohen Kastanien und Buchen, inmitten herrlichen Rebengeländes, steht die alte Kropsburg, die einst von den reichsten und stolzesten Baronen des römischen Reiches bewohnt wurde. Heute sind die Mauern der Burg zu einem Wohnsitz und Hotelbetrieb ausgebaut. Die Reste der alten Feste machen einen höchst malerischen Eindruck und lassen uns die Pracht des ehemaligen Schlosses ahnen. Von der Terrasse aus schauen wir in das schöne Land: St. Martin, Alsterweiler, Maikammer, Edenkoben und Rhodt leuchten aus dem grünen Rebenland hervor, links grüßt über den Dörfern um Hambach die Maxburg, rechts über dem Talgrunde erhebt sich die Villa Ludwigshöhe und hoch über ihr die Rietburg.

Wenige die hier vorüberwandern, kennen die wechselvolle Geschichte der einst so mächtigen Burg, die besonders geeignet erscheint, Betrachtungen über den Wechsel der Zeiten anzustellen. Wahrscheinlich wurde die Burg unter den Hohenstaufen erbaut. Von einem uralten Geschlecht, derer von Kropsberg hat sie ihren Namen übernommen. In einer Eußerthaler Urkunde erscheint zum ersten Male im Jahre 1229 Heinrich von Kropsberg, der 1238 seine Güter dem Kloster Klingen vermacht. Im 11. und 12. Jahrhundert erscheinen auch die Herren von Ochsenstein, Lichtenstein, Merkel von Kropsberg, von Friesenheim, Mühlhofen, Altdorf und Hoheneck als Besitzer der Burg. Die Vermutung liegt nahe, daß die Burg schon früh in zwei Hälften geteilt war. Der Bischof von Speyer war Lehensherr der Besitzer. Im Jahre 1304 stand Anton von Dalberg als letzter der bischöflichen Lehensträger noch unter seinem Vormund. Anton von Dalberg vermählte später seine Tochter an Johann von Worms, dessen Ahnen schon seit Jahrhunderten mit dem Kammeramte des Bistums Worms belehnt war. Bischof Emich von Speyer erstreckte im Jahre 1318 das Lehen der Dalburg auch auf diesen Johann und die Kämmerer von Worms führten von nun an den Beinamen „von Dalberg“.

Die dalbergische Erbtochter schenkte Johann zwei Kinder nämlich Johann und Mathilde. Mathilde, wurde an Merkel von Kropsberg verheiratet und erhielt von ihm die Hälfte der Kropsburg als Witthum, was Bischof Gebhard von Speyer im Jahre 1345 genehmigte. Gleichzeitig gestattete der Bischof, daß das Lehen dieses Teiles an der Kropsburg, auf den Bruder des Merkel übergehen sollte, für den Fall, daß die Ehe kinderlos bleiben sollte. Der Bischof Eberhard verlieh im Jahre 1364 an Diether, Kämmerer von Worms, und dessen Bruder Weygand, sowie ihren sämtlichen Lehenserben, Dalburg, Kropsburg und das Haus mit Hälfte des Zubehörs. Von nun an kommen die Krämmerer von Worms wechselweise unter den Namen von Dalberg und von Kropsburg vor, bis sich der Namen Dalberg allein behauptet und übrig bleibt.

Die andere Hälfte der Kropsburg war kaufweise von Heinrich von Hohenecken an Johannes von Lichtenstein gekommen, welchen Kaiser Rudolf I. im Jahre 1280 wegen seiner Tapferkeit zum Ritter schlug. Als Söldner-Hauptmann von Speyer verkaufte Ritter Hanns von Lichtenstein für 200 Pfd. Häller auch seine Hälfte der Kropsburg im Jahre 1281 als offenes Haus, von wo aus die Speyerer schon 1302 die bischöflichen Dörfer verheerten.

Durch Heirat der Lichtensteinischen Erbtochter gelangte diese Hälfte um das Jahr 1345 an Heinrich von Löwenstein zu Randeck, welche Familie mit Hanns Wolf im Jahre 1664 ausstarb. Emichs Tochter brachte diesen Teil auf Wilhelm von (Schal) Odenbach.

Schon längst waren die Herren von Odenbach Teilhaber an der Kropsburg und hatten auch den Namen davon angenommen. Im Jahre 1239 erscheinen bereits die Ritter von (Schal) Odenbach und Herren von Crobe als Zeugenführer für das Kloster Ravengisburg bei dem Dorfe Einkirch in einer Befreiungsurkunde des Grafen Johann von Sponheim, ja man schreibt sogar diesen die Erbauung der Kropsburg zu. Die Herren von Dalberg und Gerhard von Schal-Odenbach schlossen im Jahre 1413 einen Burgfrieden mit der freien Reichsstadt Speyer. Die Grenzen des Burgfriedens heben an „Abwendig Kropsburg als die rechte Bach und das Kleinbächel außer dem Dedingsdall zusammenstoßend, und von diesen Bächen rechts dem Berg auf bis in den Ufrizweg und den Ufrizweg aus bis in die Hohle und die Hohle aus bis in den Holzweg und den Holzweg aus bis in den Ackerweg herauf bis an den Viehweg und den Viehweg aus bis in den niedersten Haardtweg, dann bis in den Edenkobener Steingrabenweg; sofort rechts den Berg auf bis zum Edenkobener Horn, dann rechts das Hoste hinaus bis in die Stewe beim Hohenberg, hernach von der Stewe hinaus bis an den Hohenberg und vom Hohenberg rechts herab bis in den Dedingsdall, dann rechts herab bis wieder an die Bache“.

Hanns von Odenbach verkaufte im Jahre 1439 mit Genehmigung des Bischofs Reinhard von Speyer seine Hälfte zum Preis von 400 fl. an die Herren von Dalberg. Er starb ohne Erben im Jahre 1441 als letzter des Stammes. In der blutigen Fehde zwischen Kurfürsten Friedrich I. und dem Herzog von Veldenz-Zweibrücken hatten im Jahre 1470 die Ritter von Rietburg, Breitenstein, Erphenstein nebst anderen Anhängern Ludwigs auch die Kropsburg belagert und hart bedrängt, bis sie von dem Kurfürsten, dem siegreichen Friedrich von Weißenburg wieder befreit wurde. Sogleich wurden die Belagerer von ihm verfolgt, bis vor die Burg Rupertseck und dort gedemütigt. Im nämlichen Jahre 1470 ließ Friedrich I. zur Strafe für die Belagerer und zur eigenen Sicherheit Erphenstein erobern und ausbrennen. Der Klugheit ihrer Bewohner verdankte die Kropsburg ihren Fortbestand nach dem Bauernaufruhr 1525.

Friedrich von Dalberg, Gemahl der Anna von Fleckenstein vergrößerte im Jahre 1560 das Schloß mit einem Anbau gegen die Mulde hin, wovon aber schon im Jahre 1778 nichts mehr vorhanden war. Im Jahre 1575 ließ Wolfgang von Dalberg den „Eingang oberhalb der 1. Türe mit der runden Treppe (Wendeltreppe)“, Dietrich aber 1578 des Zeughaus über dem sogenannten „Hexenturm“ und 1588 ein „Gebäude bei dem Eingang der 2. Türe“ bauen. Endlich im Jahre 1599 kaufte Wolfgang von Dalberg, Kurfürst von Mainz, den Rest, welchen Ludwig von Entzdorf noch innerhalb des Burgfriedens besessen hatte.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kropsburg von den Herrn von Dalberg verkauft. Sie gehörte dann einem Bürger aus Edenkoben, welcher den schönsten Turm (1835) abbrechen ließ, um das Material „um des Profitchens“ willen, wie es August Becker nannte, zum Festungsbau nach Germersheim gelangen zu lassen.

Heute ist die Kropsburg in Privatbesitz und normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seit einem Jahr besteht ein Förderverein " Freunde der Kropsburg" über den Veranstaltungen durchgeführt werden, die der Erhaltung der historischen Stätte dienen.

Rheinland-Pfalz und das Geschlecht der Dalberg

Wir sitzen auf der breiten Terrasse der Kropsburg bei einem süffigen „Schloßberg“. Drunten liegt das malerische St. Martin das unzähligen Malern Modell gestanden und vielen Dichtern bauliche und erbauliche Motive geliehen hat. Unser Blick schweift über die vor uns liegende Rheinebene, die sich von Worms bis in die Gegend von Baden-Baden zeigt.

Hier haben in vergangener Zeit Ritter aus dem Geschlecht der Dalberg gelebt und gewohnt. Es interessiert uns, etwas über diese Männer, deren Namen uns so häufig begegnet, zu erfahren. Das Kämmereramt des Hochstifts Worms war einem beachtlichen Rittergeschlecht schon um die Jahrtausendwende erbeigen. Nach diesem Amt nannten sich die Ritter Kämmerer von Worms. Einer von ihnen krönte als Erzbischof von Köln 1002 den Kaiser Heinrich II. Im Jahr 1318 heiratete Gerhard, Kämmerer von Worms Greta von Dalberg, einem Geschlecht, dessen Stammsitz die Dalburg bei Stromberg in der damaligen Kurpfalz war. Durch diese Heirat erwarb Gerhard Namen und so bedeutenden Besitz der Dalberg, daß er und seine Nachkommen mit Fürsten wetteifern konnten. Seit 1654 tragen die Dalberg den Freiherrntitel.

Uns Rheinland-Pfälzer dürften die Freiherrn von Dalberg nicht nur interessieren, weil sie besonders in unserer Heimat gelebt und gewirkt haben, sondern, weil sie mit der Geschichte unserer westlichen Heimat eng verbunden sind und Gestalten von überragender Bedeutung aufweisen. Als Kanzler des Kurfürsten von der Pfalz brachte Johann v. D. die Universität Heidelberg zu höchster Blüte. Er war Gründer der Universitäts-Bibliothek und errichtete ein besonders Kollegium für Juristen. 1482 wurde er Bischof von Worms.

Unweit der Kropsburg liegt Kirrweiler. Dort, im kurmainzischen Oberamt wirkte der 1674 geborene Franz Eckenbert v. D. als Oberamtmann und Ritterhauptmann am Oberrhein.

1762 erlangte in Heidelberg Karl Theodor v. D. die Würde eines Dr. jur. Er wurde Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, später Fürstprimas des Rheinischer Bundes und Großherzog von Frankfurt. Nicht nur Wieland und Herder, auch Goethe und Schiller, dem er ein Jahresgehalt zahlte, standen mit ihm in regem Verkehr. Bei der Kaiserkrönung Napoleons weilte er in Paris und war auf dem politischen Schachbrett seiner Zeit eine stark bewegte Figur. Daneben beweisen seine Schriften aus den Gebieten der Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaften regen Geist.

Sein Bruder, Wolfgang Heribert v. D., seit 1803 badischer Staatsminister, war Intendant des Mannheimer Nationaltheaters, das er zu hoher Blüte brachte. Er ist uns bekannt durch seinen Verkehr mit Schiller, dessen erste Dramen durch ihn zur Aufführung kamen.

Ein weiterer Bruder dieser beiden, Johann Friedrich v. D., geboren 1753, war Domkapitular in Trier, Worms und Speyer. Er glänzte als Klavierspieler und Komponist, ganz besonders aber fanden seine Schriften aus dem Gebiet der Musik Beachtung.

Sein Neffe, ein Sohn Heriberts, Emmerich Josef, nachmaliger Herzog v. D. ging 1803 als badischer Gesandter nach Paris und hatte enge Fühlung mit Talleyrand. Er war es, der die Heirat Napoleons mit Marie Luise herbeiführte. Als bevollmächtigter Minister Frankreichs finden wir ihn auf dem Wiener Kongreß., wo er 1815 die Ächtung Napoleons unterzeichnete. Dafür wurde er später nach der Rückkehr Napoleons auf die Liste der 12 Verbannten gesetzt und aller Titel und Güter für verlustig erklärt. Nach der 2. Restauration der Bourbonen erhielt er alles Verlorene zurück, wurde Staatsminister und Pair von Frankreich und Gesandter am Turiner Hof. Er starb 1833 auf seinem Schloß Hernsheim bei Worms.

So sehen wir in Mainz, Worms, Hernsheim, Speyer, Kirrweiler und Kropsburg, in Mannheim und Frankfurt die Stätten einer Wirksamkeit dieses bedeutenden Geschlechts, durch die kulturell und politisch die Geschicke unserer engeren Heimat wie ganz Europas mitbestimmt wurden.

August Jungk